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Presseberichte


Prof. Wolfgang Huber
13.03.2017 


Markus Gürne
17.03.2016
     

Alfons Hörmann
23.03.2015

  

Dr. Henning Scherf
14.03.2014
 

Matthias Berg
13.03.2013
 


Dr. Philipp Rösler
14.03.2012


Norbert Rethmann
23.03.2011


Dirk Roßmann
02.03.2010


Professor
Dr. Norbert Walter
17.10.2009


Dr. Henning Voscherau
10.03.2008


Dr. Markus Merk
12.03.2007


Prof. Dr. Michael Hüther
28.03.2006


Rezzo Schlauch
17.03.2005  


Dr. Guido Westerwelle
22.03.2004


Augustinus O. Praem.
Heinrich Graf Henckel
von Donnersmarck
13.03.2003


Peter Hahne
05.03.2002


Dr. Michel Friedman
2001


Dr. Bernhard Vogel
2000
 
 
 




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Jahresveranstaltung

 

Presseberichte zur Jahresveranstaltung
des AGV Harz e.V. am 13. März 2017

 

Goslarsche Zeitung

 

Digitalisierung braucht Verantwortung

Der Theologe Wolfgang Huber sagt beim Arbeitgeberband, was er über den Wandel der Wirtschaft denkt

Von Oliver Stade

Goslar. Tief beeindruckt sei er, sagte Torsten Janßen, Vorsitzender des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Harz. Zuvor hatte der Theologe Wolfgang Huber auf Einladung des Verbandes vor rund 450 Gästen in der Kaiserpfalz Goslar über die viel beschworene Digitalisierung der Wirtschaft gesprochen. Eine Entwicklung, die "verantwortungsbewusste Unternehmer" benötige.

Aber wie sieht ein verantwortungsbewusster Unternehmer aus? Der Kirchenmann zitierte eine überraschende Liste von Konzernlenkern und Wirtschaftsgrößen, die mittlerweile ein bedingungsloses Grundeinkommen für die Verlierer des digitalen Wandels fordern.

 

Am Menschen orientiert

Unter dem Schlagwort "Wirtschaft 4.0" werden die Folgen der zunehmenden digitalen Veränderung der Arbeitswelt derzeit allenthalben diskutiert. Huber (74), der von 1994 bis 2009 Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland war, sprach am Montagabend bei den Arbeitgebern. Er hatte zu dem Thema erwartungsgemäß eine ethisch grundierte Botschaft formuliert: Der technische Fortschritt, zumal der digitale, müsse begleitet und abgefedert werden. Die Menschen, die ihre Arbeitsplätze verlieren oder deren Jobs sich verändern, müssten mitgenommen werden.

Huber, ein gefragter Berater und großer Rhetoriker, sagte: "Eine solche Umverteilungsgerechtigkeit reicht nicht." Er plädiert für eine "Verteilungsgerechtigkeit", damit meint er: "Dass die Menschen ihre Fähigkeiten und Gaben einbringen können." Huber wünscht sich eine wettbewerbsorientierte Wirtschaft, die auch "menschenorientiert" ist. Aus seinem moralisch gefärbten Standpunkt und der pragmatisch-politischen Haltung von Armin Willingmann hätte sich eine spannende Diskussion entwickeln können. Jurist Willingmann ist Wirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt und mit seinem Ressort auch zuständig für die Digitalisierung des Landes. Als Rektor der Hochschule Harz in Wernigerode arbeitete er zuvor in der Ein-Harz-Initiative mit, in der sich auch der Arbeitgeberverband mit Geschäftsführerin Anja Mertelsmann engagiert. Der Sozialdemokrat sagte, die Bedrohung von Arbeitsplätzen durch Digitalisierung sei eine "sehr einseitige Sicht". Er sehe den Prozess "mehr als Chance, denn als Risiko". Aus Unternehmen wisse er, dass die Digitalisierung überwiegend noch mit dem Blick auf den Breitbandausbau betrachtet werde. "Als Thema oder Bedrohung wird sie noch nicht gesehen", sagte er.

Der Minister musste das Jahrestreffen vorzeitig verlassen, weil er in einer Podiumsdiskussion gefragt war, um die vielfach als wackelig empfundene schwarz-rot-grüne Kenia-Koalition in Magdeburg zu verteidigen.

 

Entscheiden können

 

Hubers Nachdenken über die Digitalisierung beginnt bereits bei der Sprache. Seine Anmerkung dazu ist in der Auto-Region besonders lehrreich. Der Begriff vom "autonomen Auto" für selbststeuernde Fahrzeuge erscheint ihm mindestens abwegig. Was macht ein solches Auto, wenn am Straßenrand eine Seniorin steht, die mit ihrem Kopf nickt und nickt und nickt? Um eine solche Situation zu erfassen, brauche es Einfühlungsvermögen und richtige Autonomie. Autonomie bedeute aber, "das eigene Leben so zu führen, dass es anderen zugute kommt". Huber sagte: "Ich mache mir Sorgen um unser Menschenbild, wenn ein Begriff wie Autonomie auf Maschinen übertragen wird."

   

 

                                                                                                                            Foto: Sowa

 

 

Harzer Volksstimme
  

Arbeitgeber unterstützen "Ein-Harz"-Initiative

Verband begrüßt zur Jahresveranstaltung in Goslar rund 450 Gäste / Digitalisierung als Hauptthema des Abends

  
Goslar (im). Rund 450 Gäste konnte der Vorstandsvorsitzende des gemeinnützigen Arbeitgeberverbands (AGV), Torsten Janßen, jüngst zur traditionellen Jahresveranstaltung der Vereinigung in der Kaiserpfalz zu Goslar begrüßen.
Janßen brachte zum Ausdruck, dass der Verband mit Stolz auf seine Mitgliedsunternehmen schaue, die Spiegelbild eines starken Wirtschaftsraumes seien, der selbstbewusst die Zukunft gestalten wird.
Der AGV begrüße die "Ein Harz"-Initiative, in der sich Städte und Landkreise zusammenschließen, um jenseits des Kirchturmdenkens die Interessen gemeinsam zu vertreten. Weiter betonte Torsten Janßen, dass die mit der Digitalisierung verbundenen tiefgreifenden Veränderungen als Chance wahrgenommen werden sollten, die Zukunft der Menschen hier durch zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sichern.
Anschließend ging der Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Armin Willingmann (SPD), in seinem Grußwort auf die Notwendigkeit der Vernetzung in der Region ein. Mit Blick auf die hohe Priorität von "Ein Harz" betonte er, dass Gäste ohnehin keine Ländergrenzen wahrnehmen würden.
Er rufe besonders die kleinen und mittelständischen Firmen auf, sich diesem Thema zu stellen. Das sei nicht nur Breitbandausbau, sondern eine umfassende Veränderung der Lebenswirklichkeit.
Der "Wirtschaft 4.0: Wer ist autonom - Mensch oder Maschine?" widmete sich der Gastredner des Abends, der Theologe Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber.
Mit Interesse verfolgten die Gäste, welche ethisch-moralischen Aspekte sich aus der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung in Wirtschaft und persönlichem Umfeld ergeben. Was sei, wenn cyber-physische Systeme eigenständige Entscheidungen treffen und nur in Ausnahmefällen der Mensch zum Eingreifen aufgefordert wird? Wie entwickele sich unsere Arbeitswelt?
Das neue Jahrtausend habe den Übergang vom analogen zum digitalen Zeitalter gebracht. Zweifellos sei dies ein Fortschritt. Aber wie bei jeder neuen Entwicklung der Menschheit sei Fortschritt durch Ambivalenz geprägt. Er beinhalte sowohl Chancen als auch Risiken.
Dies habe der deutsche Wissenschaftler Hans Jonas erkannt und daraus ein Leitprinzip entwickelt, welches sich jeder immer bei der Anwendung neuer Technologien vor Augen führen sollte: "Handle so, dass die Folgen deines Handelns mit dem Leben auf der Erde vereinbar sind".
Huber beleuchtete die Gefahren der Digitalisierung, die in der Verlagerung der Arbeit auf Maschinen und Systeme bestehe und die Menschen gehindert werden, einen aktiven Beitrag zum Leben zu leisten. Um dieses destruktive Moment der Digitalisierung nicht zum Tragen kommen zu lassen, forderte Wolfgang Huber dazu auf, dass wirtschaftliche Grundentscheidungen verantwortungsvoll getroffen werden müssen.
Der Redner habe zudem darauf verwiesen, dass die Wirtschaft eine Wirtschaft für die Menschen sein müsse, dass die Menschen auf dem Weg der Digitaliserung der Arbeitswelt mitgenommen werden müssten. Die Stärke des Mittelstandes, so Huber, sei gerade, dass die Arbeitswelt unter Einbeziehung der Mitarbeiter gestaltet werden könne.
Wie bestimmt sich nun aber das neue Verhältnis von Mensch und Maschine? Der Vorteil des Menschen sei, dass er emphatisch ist. Durch seine eigene Fehlerhaftigkeit habe er einen Sinn für die Fehler anderer Menschen entwickelt. Er könne ethisch und autonom im Rahmen der von der Gesellschaft vorgegebenen Gesetze entscheiden. Demgegenüber sei die programmierte Maschine zwar zu Entscheidungen fähig, diese würden aber nicht emphatisch/ethisch geprägt sein. Nur der Mensch sei wirklich eigenständig, die Maschine immer nur ein Mittel zum Zweck.
  
 
Arbeitgeberchef Torsten Janßen, Geschäftsführerin Anja Mertelsmann und Referent Prof. Wolfgang Huber (v.l.).  - Foto: AGV Harz